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Hannover 96 Wappen auf Flagge
Quelle: pixaby
Hannover 96 hat im sportlichen und personellen Ausnahmezustand ein dringend benötigtes Erfolgserlebnis gefeiert. Nur einen Tag nach der überraschenden Trennung von Sport-Geschäftsführer Jonas Boldt gewannen die Niedersachsen das Kellerduell der 2. Bundesliga gegen Dynamo Dresden mit 2:1 und fuhren damit den ersten Pflichtspielsieg unter Trainer Sandro Wagner ein.
 

Dabei hatte die Partie für die Gastgeber zunächst den bekannten Verlauf genommen. Dynamo nutzte seine erste Drangphase konsequent aus und ging durch Nicolai Rapp bereits in der 11. Minute in Führung. Hannover kontrollierte zwar große Teile des Ballbesitzes, fand gegen kompakte Sachsen jedoch kaum Lösungen und blieb offensiv lange harmlos.

96 kam mit Schwung aus der Pause

Nach dem Seitenwechsel präsentierte sich die Mannschaft von Sandro Wagner deutlich verbessert. Hannover spielte mutiger, suchte häufiger den Weg in die gefährlichen Räume und belohnte sich schließlich mit dem Ausgleich. Husseyn Chakroun traf nach Vorarbeit von Källman zum 1:1 (54.).

Der Mittelfeldspieler blieb auch anschließend die Schlüsselfigur der Begegnung. Nachdem Dresdens Friedrich Müller Chakroun im Strafraum zu Fall gebracht hatte, verwandelte Marcel Hartel den fälligen Elfmeter sicher zur Führung (61.). Wenige Minuten später sah Müller nach einem weiteren Foul an Chakroun die Gelb-Rote Karte (65.), wodurch die Gäste zusätzlich geschwächt wurden.

In Überzahl brachte Hannover den Vorsprung letztlich über die Zeit und durfte erstmals unter Wagner über drei Punkte jubeln.

Sieg inmitten der nächsten Führungsdebatte

Der Erfolg gegen Dresden dürfte zumindest vorübergehend für etwas Ruhe sorgen. Die vergangenen Tage standen bei Hannover jedoch vor allem im Zeichen der nächsten Personalentscheidung auf Führungsebene.

Der Verein hatte am Samstag die sofortige Trennung von Jonas Boldt bekanntgegeben. Der 44-Jährige war erst im Juni nach Hannover gekommen und hatte einen Vertrag bis 2029 unterschrieben. Nach Jörg Schmadtke (drei Monate im Amt) ist Boldt bereits der zweite Fußball-Manager, der den Klub innerhalb dieses Jahres nach kurzer Amtszeit wieder verlässt.

Hintergrund der Entscheidung ist vor allem die sportliche Entwicklung. Hannover blieb den eigenen Ansprüchen bislang deutlich hinterher, findet sich nach neun Spieltagen im Tabellenkeller wieder und schied zudem bereits in der zweiten Runde des DFB-Pokals gegen Kaiserslautern aus. Auch die von Boldt verantwortete Kaderplanung geriet zuletzt zunehmend in die Kritik.

Unstimmigkeiten im Sommer

Schon während der Sommervorbereitung soll es unterschiedliche Auffassungen zwischen Boldt und dem damaligen Cheftrainer Christian Titz gegeben haben. Uneinigkeit herrschte unter anderem bei der Kadergröße und bei Transferfragen. Nach dem schwachen Saisonstart musste Titz bereits nach dem fünften Spieltag gehen.

Auch der von Boldt verpflichtete Nachfolger Sandro Wagner konnte die sportliche Wende zunächst nicht einleiten. Erst im fünften Pflichtspiel unter seiner Leitung gelang nun gegen Dresden der erste Sieg.

Noch vor wenigen Tagen hatte Boldt seine Situation selbst eingeordnet. Im Interview mit der Sport Bild (Ausgabe 43 vom 21. Oktober) sagte er: „Was die Ursachen für die ausbleibenden Ergebnisse sind, darüber kann man diskutieren. Ich wurde aber verpflichtet, um den Klub nachhaltig voranzubringen. Dabei übernehme ich Verantwortung.“

Wenige Tage später zog Hannover dennoch die  Reißleine und ändert seinen langfristigen Kurs erneut.

Wagner schaut nach vorne

Auch Trainer Sandro Wagner musste sich unmittelbar vor dem Anpfiff zur Trennung seines Vorgesetzten äußern. „Es ist immer scheiße, wenn jemand aus der Gruppe gehen muss“, erklärte der 96-Coach bei Sky. Gleichzeitig machte Wagner deutlich, worauf sein Fokus liegt: „Ich bin ein Kämpfer und habe Bock, mit den Jungs zu arbeiten. Es geht in dieser Saison nur darum, in ruhige Fahrwasser zu kommen.“

Ob Hannover 96 durch den Erfolg gegen Dresden tatsächlich nachhaltigen Rückenwind erhält, bleibt abzuwarten. Die schnelle Trennung von Ex-Sportgeschäftsführer Jonas Boldt verdeutlicht vielmehr die anhaltende Unruhe im Verein. Entsprechend erscheint auch eine langfristige Zusammenarbeit mit Trainer Sandro Wagner derzeit alles andere als selbstverständlich.

Die nächste Bewährungsprobe wartet bereits am kommenden Sonntag. Dann gastieren die Niedersachsen beim Bundesliga-Absteiger 1. FC Heidenheim, der nach der jüngsten Niederlage beim Karlsruher SC ebenfalls hinter den eigenen Erwartungen zurückbleibt. Anstoß in der Voith-Arena ist um 13:30 Uhr.


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