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Ballon‑d’Or‑Preisverleihung mit goldener Trophäe und jubelndem Publikum im ausverkauften Saal
Bild: KI-generiert

Am 26. Oktober 2026 blickt die Fußballwelt nach London: Zum 70. Mal wird dort der Ballon d’Or vergeben – und erstmals nicht in Paris, sondern im London Palladium Theatre. Es ist mehr als eine Gala. Es ist eine Nacht der Erinnerungen, der Ansprüche und der großen Fragen: Wer darf sich 2026 der beste Fußballer der Welt nennen?

Dieses Jahr hat alles, was den Ballon d’Or seit jeher so faszinierend macht: ein historisches Jubiläum, ein WM-Sommer als Bewertungshintergrund, ein offenes Rennen ohne unangreifbaren König – und Erzählungen, die weit über Tore und Titel hinausgehen. Bewertet wird die Saison 2025/26 bis zum WM-Finale am 19. Juli; die aktuelle Spielzeit spielt keine Rolle.

Die Anfänge der Auszeichnung

Der Ballon d’Or – französisch für „Goldener Ball“ – wurde 1956 von der Zeitschrift France Football ins Leben gerufen. Erster Gewinner war der englische Flügelspieler Sir Stanley Matthews, damals bereits 41 Jahre alt und Sinnbild für Eleganz, Langlebigkeit und Fairness im Fußball. Genau deshalb ist die Verleihung 2026 so besonders: Der Preis kehrt anlässlich des 70. Jubiläums erstmals nach London zurück, in die Heimat Matthews. Was 1956 als europäische Auszeichnung begann, entwickelte sich zum wahrscheinlich begehrtesten Einzelpreis des Weltfußballs – ein Symbol dafür, dass individuelle Größe im Mannschaftssport doch sichtbar gemacht werden kann.

Über Jahrzehnte prägten Ikonen wie Alfredo Di Stéfano, Johan Cruyff, Michel Platini, Marco van Basten, Ronaldo, Zinédine Zidane und später vor allem Lionel Messi und Cristiano Ronaldo die Geschichte des Preises. Messi gewann ihn achtmal, Ronaldo fünfmal; ihre Ära machte den Ballon d’Or zu einem globalen Ritual. Doch seit beide älter werden und Europa verlassen haben, ist die Wahl wieder offener – und damit emotionaler. Gewinner der letzten fünf Jahre waren: Dembélé (2025), Rodri (2024), Messi (2023), Benzema (2022) und Messi (2021).

Die anderen Auszeichnungen der Gala

Neben dem eigentlichen Ballon d’Or werden in London weitere Preise verliehen, die den Fußball in seiner ganzen Breite würdigen: vom Nachwuchs über Torhüter und Torschützen bis zu Trainerinnen, Trainern und sozialem Engagement. Seit 2018 wird auch der Ballon d’Or féminin als Auszeichung für die beste Fußballerin der Welt vergeben. Weitere Ehrungen sind: Kopa-Trophäe: Für den bzw. die besten Spieler unter 21 Jahren, Yashin-Trophäe: Ehrung des besten Torhüters, Gerd-Müller-Trophäe: Ehrung der erfolgreichsten Torschützen der abgelaufenen Saison, Trainer-Auszeichnungen: Beste Trainerleistung, Mannschaft des Jahres: Auszeichnung der besten Männer- und Frauenteams, Sócrates Award: Würdigung soziales Engagement  

Gerade diese Nebenauszeichnungen machen den Abend zu mehr als einer Krönung eines Einzelnen: Sie zeigen, dass der Ballon d’Or heute die gesamte Fußballwelt feiert – ihre jungen Hoffnungsträger, ihre Torhüter, ihre Torschützinnen, ihre Trainer und die Menschen, die den Sport über das Spielfeld hinaus prägen.

Der Ballon d’Or 2026

Für den Ballon d’Or stimmen 100 Journalisten ab, je einer aus den Top 100 der FIFA-Weltrangliste. Jeder vergibt Punkte an zehn Spieler: 15, 12, 10, 8, 7, 5, 4, 3, 2 und 1. Gewonnen hat, wer die höchste Gesamtpunktzahl erreicht; bei Gleichstand zählt die Zahl der Erstplatzierungen. Der entscheidende Unterschied zu vielen anderen Auszeichnungen: Die WM 2026 zählt voll mit. Damit sind nicht nur Vereinssaison, Champions League und nationale Titel relevant, sondern auch jene wenigen Wochen, in denen Nationalspieler unter höchstem Druck Geschichte schreiben können. Das erklärt, warum das Feld so breit ist: PSG stellte gleich mehrere Nominierte, Bayern München und Barcelona sind stark vertreten, und selbst Lionel Messi ist nach zwei Jahren Abwesenheit wieder auf der Liste.

Die 30 Nominierten

Jude Bellingham, Pau Cubarsí, Marc Cucurella, Ousmane Dembélé, Luis Díaz, Bruno Fernandes, Gabriel, Erling Haaland, Achraf Hakimi, Harry Kane, Khvicha Kvaratskhelia, Lamine Yamal, Sadio Mané, Marquinhos, Lautaro Martínez, Kylian Mbappé, Nuno Mendes, Lionel Messi, João Neves, Michael Olise, Willian Pacho, Julián Quiñones, Declan Rice, Rodri, Fabián Ruiz, William Saliba, Ferran Torres, Dayot Upamecano, Vinícius Júnior, Vitinha  

Auffällig ist die Strahlkraft von Paris Saint-Germain: der französische Club stellt mit Dembélé, Hakimi, Kvaratskhelia, Marquinhos, Mendes, Neves, Pacho, Ruiz und Vitinha gleich neun Spieler. Der FC Bayern ist mit Kane, Díaz, Olise und Upamecano vertreten; ein deutscher Nationalspieler fehlt dagegen in der Männer-Endauswahl.

Die groĂźen Favoriten und ihre Aussichten

Lamine Yamal: Das Wunderkind im Druck

Lamine Yamal ist mit 19 Jahren bereits Weltmeister und Europameister – eine Karriere, die sich anfühlt, als hätte jemand die Fußball-Zeitlinie verschoben. Er gewann mit Barcelona die Meisterschaft und holte mit Spanien den WM-Titel; seine Bewerbung beruht vor allem auf kollektivem Erfolg und seiner Rolle als Gesicht einer neuen Generation. Seine Geschichte ist die des früh gereiften Genies und sollte er gewinnen, wäre das nicht nur ein persönlicher Triumph, sondern auch ein Generationenwechsel. Viele Experten sehen ihn derzeit als einen der klarsten Favoriten, auch wegen seiner nationalen und internationalen Erfolge. Seine individuelle Ausbeute könnte allerdings auch hinter den Titeln zurückbleiben.  

Kylian Mbappé: Der König ohne Krone

Kylian Mbappés Geschichte ist die eines Mannes, der fast alles gewonnen hat – nur eben noch nie den Ballon d’Or. 2026 könnte sich das ändern: Er wurde WM-Torschützenkönig und ist nun laut Berichten der erfolgreichste WM-Torschütze aller Zeiten, obwohl Real Madrid in der Saison ohne großen Titel blieb. Mbappé steht für Geschwindigkeit und diesen fast unheimlichen Torinstinkt. Sein Argument ist individuell: Wenn der Preis den besten Spieler ehrt, dann zählen seine Tore, seine WM-Momente und seine Fähigkeit, in den größten Spielen sichtbar zu werden.  

Harry Kane: Der StĂĽrmer, der endlich gewinnen will

Harry Kane ist vielleicht die emotionalste Kandidatur des Jahres. Der Engländer hat lange als einer der komplettesten Stürmer seiner Generation gegolten, ohne die ganz großen teambezogenen Auszeichnungen zu sammeln. Mit dem FC Bayern erlebte er eine herausragende Saison und zählt neben Yamal und Mbappé zu den Topfavoriten. Kane verkörpert etwas, das viele Fans lieben und erhält deshalb enormen Zuspruch aus der Fußballwelt: Beständigkeit statt Show und Effizienz statt Ego. Er zeichnet sich nicht durch Titel und große Erfolge aus, sondern durch seine stetige Arbeit im gesamten Spiel und beeindruckenden Statistiken.

Ousmane Dembélé: Der Titelverteidiger

Ousmane Dembélé kam 2025 als Überraschungssieger und ist 2026 wieder im Rennen – als Titelverteidiger und erneuter Champions-League-Sieger mit PSG. Seine Kandidatur ist die des Arbeiters: kein lauter König, sondern ein Spieler, dessen Wert sich in Bewegung, Raumgewinn, Teamdienst und dem richtigen Moment im richtigen Spiel zeigt. Dass er erneut nominiert ist, beweist, wie stark PSG als Kollektiv geworden ist. Doch genau das kann ihm auch schaden: Wenn mehrere Teamkollegen Stimmen teilen, könnte der Preis an einen Spieler mit klarerem individuellem Profil gehen.

Lionel Messi: Die letzte Ehrung?

Und dann ist da Lionel Messi. 39 Jahre alt, Kapitän bei Inter Miami, zurück auf der Nominierungsliste – und plötzlich wieder Teil einer Debatte, die man längst für abgeschlossen hielt. Nach einer persönlich starken WM mit Argentinien wird ihm erneut eine Chance eingeräumt, seinen neunten Ballon d’Or zu gewinnen. Auch wenn eine neunte Trophäe die Ära einer Legende beenden würde, ist sein Sieg unwahrscheinlich. Das liegt auch daran, dass der Vereinsfußball in der MLS nicht so stark gewichtet wird.  

Mehr als ein Preis

Realistische Einordnung des Ballon d’Or 2026: Lamine Yamal hat die stärkste Kombination aus Titeln, Erzählung und Zukunft. Harry Kane ist die größte Gefahr für ihn, weil reine Torjägerleistungen bei Journalisten oft schwer wiegen. Mbappé gewinnt, wenn die WM-Leistung stärker zählt als die titellose Vereinssaison; und Dembélé braucht eine klare Mehrheit für PSGs Kollektivleistung. Am 26. Oktober wird im London Palladium nicht nur diese eine Trophäe überreicht. Es wird entschieden, welche Geschichte der letzten Saison für immer in Erinnerung bleiben wird.  

 
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