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Europa-Park Arena of Football – Deep Dive zur Taktikanalyse des SC Freiburg gegen den FC Bayern München in der Bundesliga.
Quelle: Peter Steiner auf Unsplash

Am Sonntag, den 25. Oktober, kam es zum Spitzenduell zwischen den Breisgauern und den Bayern. Während die Freiburger nach zwei verlorenen Partien in Folge für eine Überraschung sorgen wollten, plagten die Bayern personelle Probleme – selbst auf der Trainerbank. Diese konnten sie dennoch kompensieren und gewannen mit 3:1. Wir beschäftigen uns damit, wie es dazu kam.

Freiburg

Personelle Änderungen

Im Gegensatz zum Europa-League-Spiel rotierte Schuster mal wieder ordentlich durch. Lediglich Suzuki, Eggestein, Makengo, Ginter und Backhaus blieben in der Startelf. Bei den Breisgauern kristallisiert sich ein großes Rotationssystem heraus, mit vielen Wechseln pro Spiel, was an dem breit geplanten Kader liegen mag.

Der defensive Plan und dessen kleine Lücken

Julian Schusters Grundidee gegen die Bayern war ein mutiger Ansatz. Ein mannorientiertes Pressing mit teils hohem Anlaufen sollte die teils stark durchgewürfelte Mannschaft der Bayern stören. Dabei waren Lienhart und Ginter besonders auf die Unterschiedsspieler Olise und Kane fixiert. Dadurch entstanden öfter Räume in der Mitte, da sich Lienhart weit links an Olise orientierte und Ginter öfter durch Kane herausgezogen wurde. So entsteht auch das 1:0, das zwar nach einem Konter fällt, aber trotzdem durch die Mannorientierung der beiden Innenverteidiger ein gewaltiger Raum frei wird, in den Upamecano hineinläuft und so frei zum Tor zulaufen kann.

In der Viererkette entstehen Räume, die von anderen Mitspielern zugelaufen werden müssen. Beim 2:0 ist es der linke Halbraum, der aufgeht, in den Gnabry startet und Beste athletisch nicht hinterherkommt. In einem mannorientierten Pressing braucht es gerade diese Athletik und Physis, die in einigen Szenen gefehlt hatte.

Offensive Ideenlosigkeit

Wichtig zu betonen ist: Der Gegner war heute der individuell stärkste der Liga. Dennoch waren die meisten Offensivaktionen ungefährlich, weil die Freiburger ihre Stärken nicht ausspielten. In den ersten 30 Minuten sahen die Offensivakzente gut aus. Suzuki holte sich die Bälle ab, Makengo schaltete mit nach vorne und Höler bedrängte zeitweise Upamecano und Tah. Das Spieltempo stimmte und Freiburg suchte nach guten Ideen. Einzig und allein die Abschlüsse fehlten. Den Freiburgern gelang in der ersten Halbzeit kein Abschluss aufs Tor.

In der letzten Viertelstunde der ersten Halbzeit fehlte dann auch die Konsequenz. Die Statik, wie schon gegen Leverkusen, kehrte zurück und die beiden Innenverteidiger spielten den Ball oft in der hinteren Kette hin und her. So sammelten Lienhart und Ginter die meisten Ballkontakte der Freiburger im Spiel.

Gute Einwechslungen und ein letztes Aufbäumen

Nach dem 2:0 schien die Partie entschieden, doch in der 82. Minute kamen die Breisgauer noch einmal heran. Der eingewechselte Matanovic eroberte stark den Ball gegen Tah. Über Umwege kam der Ball zu Max Rosenfelder. Dieser sorgte für einen starken Lauf Richtung Tor der Bayern. So kreierten die Freiburger mit den mitlaufenden Makengo und Grifo eine 3-gegen-2-Situation. Rosenfelder gab den Ball an Grifo ab und sorgte für einen Laufweg, den Laimer mitzog. Makengo hinterlief und zwang den Ball mit einer starken Einzelaktion in die Mitte, sodass der Ball durch ein Eigentor hinter Urbig landete.

Die Freiburger witterten, dass noch etwas ging, und erhöhten den Druck. Ginter positionierte sich rechts immer offensiver für gefährliche Flanken aus dem Halbfeld. Die eingewechselten Spieler sorgten für mehr Varianz und Physis, und so näherten sich die Freiburger dem Ausgleich, bis Backhaus patzte und Olise zum 3:1 vollenden konnte. So kamen die Freiburger in der zweiten Halbzeit immerhin zu vier Schüssen aufs Tor.

Bayern München

Personelle Änderungen

Die Bayern, heute trainiert von Aaron Danks, gingen mit vielen Ausfällen ins Spiel. Kimmich, Pavlovic, Diaz, Musiala, Kim Min-jae und Manuel Neuer fehlten für dieses Spiel. So entstand eine zusammengewürfelte Truppe mit einer Doppelsechs bestehend aus Bischof und Laimer. Zudem stand der zuletzt kritisierte Lennart Karl in der Startelf.

Weniger Pressing, dennoch sehr stabil

Im Spiel der Bayern fiel besonders auf, dass das ganz hohe Pressing ausblieb und die hintere Kette der Freiburger meist nicht gestört wurde. Vielmehr wurde abgewartet, bis der Ball ins Mittelfeld gelangte, und dann wurde gestört und schnell gekontert. So hatten die Bayern in diesem Spiel nur 56 Prozent Ballbesitz, wobei der Durchschnitt in dieser Saison bei 66 Prozent liegt.

Die Bayern schufen konstruierte Räume, in die die Freiburger bespielen sollten. Sobald dies geschah, griffen sie zu, erschlossen den Raum und eroberten den Ball. Gerade die Zentrale der Bayern aus den beiden Sechsern und dem Zehner Lennart Karl kam so zusammen auf 14 Wiedereroberungen. Zudem waren Laimer und Bischof die beiden Spieler mit den meisten abgelaufenen Kilometern, was die Raumbedeckungnoch einmal belegt.

Wenn die Freiburger doch einmal zur letzten Linie gelangten, wirkten Tah und Upamecano bis zur 82. Minute stabil und ließen nichts zu. Gerade Lucas Höler, Scherhant und Beste hatten die beiden unter Kontrolle.

Schnelles Kontern und die berühmte Positionsvariabilität

Im Aufbauspiel kam es wie immer zu den typischen Positionsrochaden. Unberechenbare Positionswechsel von Kane und das Zulaufen in die Tiefe bildeten die Grundlage des Erfolges. Olise und Kane schufen immer wieder Räume, die die anderen belaufen konnten. Beim 1:0 war es Upamecano. In der 32. Minute war es Stanišić und zwei Minuten später Nathaniel Brown.

Hinzu kam heute das direkte Kontern gegen die hochstehenden Freiburger, die vor allem in der ersten Halbzeit massive Probleme mit dem Tempo der Bayern-Offensive hatten. In der Qualität der Ausführung, mit der die Bayern es abrufen können, wird es für jedes Team schwer, das über 90 Minuten zu verteidigen.

Trotz des Sieges: wieder kleine Probleme

Kleine Schwächen bleiben dennoch bestehen, wenn das gegnerische Team sehr tief steht. Meist fehlte dann die nötige Kreativität, um den Block aufzulösen. Die Positionsvariabilität schuf nicht den nötigen Raum und die letzte Konsequenz fehlte. Gegen den Ball muss man immer aktiv bleiben, denn sobald man passiv ohne Pressing verteidigt, scheint Unruhe zu entstehen. Die Gegner kommen zu Chancen und die Kontrolle geht verloren. Dies geschah auch in den letzten Minuten des Spiels gegen Freiburg.

Man of the Match: Dayot Upamecano

Der französische Innenverteidiger verband defensive Qualität mit dem nötigen Offensivdrang. Die meisten Ballkontakte, 58 erfolgreiche Pässe mit einer Passquote von 92 Prozent sowie acht Pässe ins letzte Angriffsdrittel machten ihn zum Man of the Match. Er belohnte seine gute Leistung mit einem Tor und ebnete den Weg zum Auswärtserfolg.

Fazit

Die Bayern blieben auch ohne Kompany ihren Grundprinzipien treu. Die nötigen spezifischen Anpassungen für dieses Spiel wirkten und stellten die Weichen für den Sieg. Der Grundplan von Julian Schuster war nicht schlecht, und man hielt teilweise gut mit. Dennoch fehlt in manchen Phasen des Spiels der nötige Mut und die Kreativität.

 

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